, Sonja Kamer, Steuerfrau Vitesse

Windweek Night 2021

 

Windweek Challenge Night 14./15. August


Nachdem die Durchführung der Nachtregatta auf der Kippe stand, freuten wir uns im Vitesse-Team umso mehr, dass die notwendigen Anmeldungen doch noch eingetroffen sind. Da wir schon die meisten Regatten in dieser Saison zu zweit segelten, blieben wir auch diesmal unserem Crewkonzept treu.

Einige Tage vor der Regatta haben wir die Elektronik der Vitesse umgebaut. Am Freitag reinigten wir das Unterwasser und installierten die zusätzliche Beleuchtung. Der Schrecken ereilte uns am Samstag Vormittag, als wir beim Testsegeln sporadisch keine Speeddaten auf dem
Display vorfanden. Der vermutete Wackelkontakt wurde dann gefunden, kostete aber den Vorschlaf des Bordphysikers.

Die Windprognose für die kommende Nacht sah nicht sehr vielversprechend aus und wir stellten uns auf eine lange Nacht ein.

Pünktlich zum Start um 20 Uhr kam der erwartete Ostwind (gut Baseldeutsch: „Oobebloos“) auf. Den besten Start erwischte wieder unser Veteran Herbert Hösli mit seiner Bird of Paradise, dicht gefolgt von der Elefteria. Der gemütlichste Starter war dieses Jahr die Hispaniola, welche tatsächlich fast drei Minuten nach dem Startsignal gemächlich die Linie überschritt. Der Oobebloos hielt gerade bis zur Treib, wo das Feld dann jäh gestoppt wurde.

Der Start der Vitesse war die Katastrophe und so befanden wir uns kurz darauf im stehenden Pulk. Unsere Anzeige zeigte 0 kn Wind und 0 kn Speed und diesmal handelte es sich nicht um einen Wackelkontakt.

Immer mehr Boote entfernten sich aus dem Treibloch, nur wir blieben geduldig am Warten. 45 Minuten nach dem Start befanden wir uns alleine mit der Jill im Startgelände. Hinter uns befand sich kein Boot mehr. Das war kein gutes Zeichen...

Endlich um 21.00 Uhr bewegte sich auch die Vitesse. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Spitze des Feldes (Kiwi, Nessi, Segelwert) schon auf der Höhe Gersau. Das Motorboot Rescue 1 (Ludwig Nünlist) in Funktion des Besenwagens, kam zu uns und wünschte uns noch viel Erfolg auf der Aufholjagd. Danke für die Aufmunterung!

Für die Vitesse begann die Regatta also eine Stunde nach dem Start. Wir jagten unter Gennaker hinter dem Feld her. Vor Gersau erblickten wir die Toplichter einiger Boote. Wir erkannten die Code 8 (Adrian Cornaz) und die Astrea (Urs Tschümperlin). Offenbar befanden sie sich in einer windschwachen Region. Umzingelt von Windlöchern halsen wir zwischen der Astrea und der Kolibri (Fredy Häfliger) Richtung Gersau. Die beiden Cruiser Prometheus (Roger Habermacher), Aquarius (Beat Hügli) und der Langsamstarter Hispaniola (Christoph Herber) befanden sich vor uns und zeigten eine tolle Leistung. Zu diesem Zeitpunkt war die Kiwi (Thomas Hasler) aber der grosse Überflieger. Sie konnte mit den beiden Quants gut mithalten. Dieses Trio
befand sich jetzt schon auf der Höhe Weggis.

Nach der Nase stellt sich erfahrungsgemäss die strategische Frage, ob man der Risikoroute „Route de Bürgenstock“ folgt, oder diese Ufernähe eher meidet. Dieses Jahr mieden alle Regatteure die Route de Bürgenstock. Der Cruiser Prometheus konnte sich von den übrigen SRS Cruisern absetzen und lieferte sich ein spannendes Duell mit der Taifun (Racer 1).

Ab 23.30 Uhr befand sich das Führungsfeld (Toruk, Kiwi, Segelwert) eingangs Stansstaderbecken, verfolgt von der Gruppe Nessi (Pascal Marty) und Falkone (Roger Schumacher), wiederum gefolgt von der Gruppe Taifun und Prometheus. Die Prometheus führte zu diesem Zeitpunkt immer noch die Klasse der SRS Cruiser.

Wir befanden uns mittlerweile in einer Gruppe mit der Elefteria (Lukas Ammann) und Sleipnir (Christoph Sidler). Die Strategie im Vitesse-Team war, Kehrsiten zu meiden und möglichst bald den Kreuztrichter zu queren, um dann bei Kastanienbaum Richtung Stansstad zu stechen. Die Code8, Aquarius und die Poco Loco wählten den risikoreichen aber kürzeren Weg über Kehrsiten, blieben dann aber kurz nach Kehrsiten bei schwächelndem Wind hängen.

Die Aquarius erhielt einen Privatwind und setzte sich bei Kehrsiten für eine kurze Zeit an die Spitze der SRS Cruiser, wurde dann aber ebenfalls brutal mit einer langen Wartezeit bestraft. Immerhin konnten sie die Musik geniessen, welche von Kehrsiten den ganzen See beschallte. Entgegen allen Empfehlungen klassischer
Regattastrategie, wechselte die Aquarius dann die Seeseite und konnte damit den Schaden minimieren.

Die Toruk rundete um 00.30 Uhr als erstes Boot die Boje, dicht gefolgt von der Kiwi. Segelwert, der spätere Sieger, hatte an der Stansstaderboje noch einen Rückstand von 8 Minuten auf die Toruk. Um etwa 01.10 Uhr passierte die Nessi die Boje mit einem Rückstand von über 30 Minuten auf ihren Klassen-Rivalen Kiwi.

Unser Umweg über Kastanienbaum zahlte sich aus. Bei 10 kn Wind erahnten wir die fast stehenden Boote auf der anderen Uferseite. Endlich segeln, raushängen und den Wind spüren. So konnten wir als sechstes Boot die Boje runden. Unser Startrückstand war jetzt vergessen und unsere Stimmung im Boot bestens.

Weniger Glück hatte die Toruk. Auf ihrem Rückweg näherte sie sich zu sehr der Kehrsiten-Seite, was für sie in einem grossen Windloch endete. Die Kiwi und die Segelwert reagierten schnell und wechselten ihren Kurs. Nessi halste ebenfalls auf die Kastanienbaum-Seite und passierte die Toruk. Den so geschaffenen Vorsprung
auf die Toruk reichte der Segelwert für den Sieg in der Gruppe „offene Racer“.

Bei den Racer 1 entschied schlussendlich die gewählte Route durch das Vitznauer-Becken über den Sieg. Während die Kiwi die Seemitte wählte, entschied sich die Nessi für den ufernahen Weg Umweg über Weggis. Mit dem dort herrschenden Landwind segelte sie einen Vorsprung heraus, welcher dann für den Sieg reichte.

Im Vitznauerbecken versuchten wir uns über die Weggiser-Route von Poco Loco, Elefteria, Sleipnir und Code8 abzusetzen. Diesmal klappte diese Strategie nicht und so befanden wir uns bei der Nase plötzlich hinter der Code8 und der Elefteria. Vor Gersau war mittlerweile der Wind stark eingebrochen. Mit 5 cm/s krochen wir
Richtung Brunnen. Unsere Devise war: nicht schnaufen und wenn doch, Richtung Heck ausatmen. Wir konnten uns von Sleipnir und der Poco Loco absetzen, die Code8 und die Elefteria aber nicht mehr einholen. Zufrieden und müde passieren wir als Fünfte bei den Racer 1 die Ziellinie.

Der grosse Pechvogel bei den Racer 2 war die Falkone. Lag sie auf dem Rückweg beim Kreuztrichter mit grossem Vorsprung noch auf erster Position in ihrer Klasse und auf sehr gutem Platz 5 im Gesamtklassement, erwischte aber auf dem Rückweg fast alle vorhandenen Windlöcher und fiel im Gesamtklassement auf Rang 14 zurück.

Bei den Cruisern entwickelte sich ein spannender Schlussspurt. Im Gersauer befanden sich quasi zeitgleich die Boote Antigua, Aquarius, Bird of Paradise und Nayla II. Der Wind schien auf der Nordseite des Sees stärker zu sein. Die Aquarius positionierte sich etwas zu nahe bei Emmetten, was Bird of Paradise, Antigua und Nayla II erlaubte bei besserem Wind, die Kurve Richtung Brunnen zu schneiden um damit die Aquarius hinter sich zu lassen. Bei den SRS Cruiser erreichte schliesslich unser Veteran Herbert

Hösli mit seiner Bird of Paradise als erster die Ziellinie. Ein Start-Ziel-Sieg sozusagen. Herzliche Gratulation.

Die Challenge 2021 ist vorbei. Die Nachtstimmung war bei lauen Temperaturen und unzähligen Sternschnuppen einmalig und hilft uns, vom mangelnden Wind abzusehen. Die Regatta war sicher für jedes Team voller Emotionen und Erlebnissen, genau dies, was diese Nachtregatta auch auszeichnet und speziell im VC-Cup macht.

Wir danken den Clubs RVB, SKE, YCL, SKS, NORT, Starbootflotte LUV und der CCS-RGU im speziellen auch dem Regattaobmann des RVBs, Peter Graf, für ihr unermüdliches Engagement und den vielen Helfern, ohne die der Anlass nicht durchgeführt werden könnte.

Herzlich gedankt ist an dieser Stelle auch den Sponsoren Swisslos, Mythen Center Schwyz, Emmen Center, der Allianz und der Ebag Edelstahltechnik AG für das Sponsoring. Ohne ihre Unterstützung würde dieser tolle Anlass nicht existieren.

Team Vitesse (Sonja Kamer und Florian Löwenthal)