Rekordfahrt "Gelbes Band"
Gelbes Band 14. Juni 2026, Kiwi SUI 818
Sonntagmorgen, wunderbar ausgeschlafen, noch nicht mal gefrühstückt, erreicht uns das Whats up von Christoph und Caro. Westwind über den ganzen Vierwaldstättersee ab ca. 13.00 Uhr.
Sandra und ich sind nächste Woche an der Suisse-Public und haben noch nicht alles fertig vorbereitet. Die Info erwischt uns im falschen Moment. Wir haben eigentlich keine Zeit dieses Wochenende. Aber wenn Freunde zum Seglen auffordern kann man fast nicht nein sagen. So geht es zumindest mir. Ich prüfe selber die Prognosen und die sehen deutlich besser aus als vor einem Jahr. Schönes Wetter, warme Temperaturen und genügend Wind von der richtigen Seite.
Sandra ist so gewissenhaft, dass sie nicht die Ruhe findet um zu Selgen wenn noch nicht alles erledigt ist. So fehlt uns noch ein viertes Crewmitglied. Wer kann da alles in Frage kommen? Die Longtze Segler von Stansstad sind in den Ferien, im WK oder im Prüfungsstress. Doch schnell kommen wir auf Kuno unseren Regattaleiter. Bevor er richtig zusagt sagt er schon «wann muss ich wo sein». Super spontan. «Also in 30 Minuten in der Hasler Werft zum Einwassern». Gesagt, getan und die Crew ist komplett.
Mit 3 Akkus fahren wir los, damit wir genügend Reichweite haben um nach Luzern, oder von Brunnen zurück zu kommen. Nach der Brücke ist der Mast gestellt und der Westwind lässt auch nicht lange auf sich warten. Die Segel werden gesetzt und in einem Schlag geht es Richtung Stadt. Wir fahren bis zum Nationalquai um Anlauf zu holen.
Der Winkel ist relativ Spitz um mit Gennaker aus der Luzerner-Bucht zu segeln. Genau jetzt kreuzen auch unglaublich viele Kursschiffe um uns herum, so dass wir nicht unseren gewünschten Kurs fahren können. Nach kurzer Zeit dreht der Wind so dass wir einen besseren Winkel fahren können. Also geht’s nochmals zurück zum Startpunkt mit noch besseren Bedingungen.
Wir ziehen den Gennaker kurz vor der Startlinie und fahren los. Können wir genügend hoch fahren um den Gennaker nicht bergen zu müssen? Es klappt. Wir haben sogar etwas Reserve. Anfangs Trichter schwächelt der Wind das erste Mal und wir sind unentschlossen welche Seite wohl besser ist. Mit ein paar Down Wind-Kreuzschlägen nähern wir uns dem Bürgenstock. Der Wind scheint hier etwas besser zu sein. Ausserhalb Weggis begegnet uns Dominique Erni mit seinem Team.
Immer noch unter Gennaker fahren wir weiter bis zur Nase. Immer bedacht nicht zu nahe an den Bürgenstock zu kommen, damit wir den Gennaker nicht bergen müssen. Hat es Wind im Gersauer? Die Prognosen sind da ein bisschen durchzogen. Wenn ich bisher bei Westwind durch die Nase gesegelt bin, hat uns der Wind von Weggis oder Vitznau her einfach durchgespült. Aber heute ist es anders. Der Westwind kommt von Buochs. Aber es hat Wind.
Nach nicht mal einer Stunde haben wir die Nase durchquert und es geht flott weiter. Der Wind im Gersauer ist mindestens gleich gut wie bei unserer letzten Rekordfahrt. Caro sagt jede Böe sauber an. Christoph hat schon ganz lange Arme vom Gennaker führen und Kuno arbeitet sauber mit Grossschot und Traveller. Ich versuche die anrauschenden Böen so sauber wie möglich zu fahren, damit wir keinen Sonnenschuss fahren. Wir sind ein eingespieltes Team und so rauschen wir ohne grosse Zwischenfälle Richtung Schwybogen.
Wie bei all unseren versuchen zum Gelben Band ist es auch jetzt, hier wieder am schwierigsten. Kurzzeitig bergen wir den Gennaker. Einen so langen, schnellen Downwindritt hatten wir noch nie.
Heute ist uns Petrus gut gesinnt. Der Wind kommt wieder zurück, zwar schwächer aber er ist da und fordert uns bis zur Ziellinie nochmals mit Drehern, Löchern und Böen heraus. Nach 1:34:22. Kreuzen wir den SGV-Steg vor Brunnen mit Wind von allen Seiten. Wir haben es geschafft und unseren Rekord vom Vorjahr deutlich unterboten. Auch diesmal konnten wir das Gelbe Band beinahe direttissimo fahren. Es waren natürlich auch Traumbedingungen.
Vielen Dank Christoph und Caro für das Melden geeigneter Wetterprognose, eure verrückte Idee und euern Einsatz an Bord. Vielen Dank Kuno für Deine Spontaneität und das saubere führen des Grosssegels und vielen Dank Sandra für die Sandwiches, den Schlepp zurück und natürlich für das Vorbereiten unserer Suisse-Public-Unterlagen.
Mit nautischen Grüssen
Thomas Hasler
SUI 818, Kiwi