, Eric van Duijn, Crew Aquarius

Night Challenge 2025

Night Challenge
 
Bloss nicht Rechnen
Eric van Duijn
 
Der See liegt friedlich da, die Bäume des gegenüberliegenden Ufers spiegeln sich lieblich im Wasser, darüber ein graubedeckter Himmel. Öl, die Pein der Nachtregatteure.
Doch im Hafen Fallenbach ist ein fröhliches Begrüssen im Gang, der schwache Wind draussen scheint niemanden zu beindrucken.
Kurz vor dem Start liegen alle Boote dicht gepackt beisammen. Von Hektik keine Spur, die Boatspeed nahe Null. Dann das Startsignal. Nur nicht extrapolieren jetzt! Distanz durch Geschwindigkeit: nicht auszumalen; das wird Montag bis zur Heimkehr!
Früh erwischen ein paar Racer eine gute Windzone. Das Feld wird zweigeteilt: hinten bei den Cruisern wird weitergerechnet, während vorne fleissig taktiert wird. Wer erwischt den besseren Weg am Gersauerbecken vorbei?
 
 
Nach einer Stunde manövrieren sich Nessi, Segelwert, Kiwi und Taifun in ein Windloch. Blink, Viento und Vitesse holen auf. Die Distanzen im Feld werden zunehmend grösser, das Mittelfeld steht vor Gersau während Blink in gestrecktem Galopp als Erste an der Nase vorbeizieht. Das Feld dehnt sich weiter aus. Kurz vor elf Uhr sind die schnellen Boote im Kreuztrichter, während die an Crewmangel leidende Bergwind noch vor Gersau kämpft. Doch noch ist nicht aller Tage abend.
 
Das grosse Hindernis der Nachtregatta liegt vor den ersten Teilnehmern: eine Sperrzone für ein Privatflugzeug, das geschätzte hundert Meter unter Wasser auf seine Bergung wartet. Eingezeichnet auf den Karten aller Skipper als schönes Quadrat. Nur. Auch mit allen Künsten der Geometrie lässt sich dieses Quadrat mit den ausgelegten Bojen nicht nachvollziehen. Kommt hinzu, dass da mehrere Markierungen auf einer Linie liegen, die Hälfte davon unbeleuchtet. Sinus, Cosinus, Hypothenuse, alles Rechnen ist sinnlos. Der gesunde Menschenverstand ist gefragt: entweder nördlich oder dann südlich umfahren und weiter!
Nessi und Segelwert bezahlen den Südkurs mit schwachem Wind. Im Vorderteil bleibt die Lage dadurch spannend, während sich das Mittelfeld durchs Nadelöhr an der Nas kämpft.
 
 
Das Race dauert an, der Wind sorgt für reichlich Abwechslung und so manches Manöver. Gennaker raus, Gennaker rein. Wenden, drehen, halsen.
Mit nur kurzen Pausen hält der Wind die ganze Nacht durch, ein kleines Wunder!
Kiwi gelingt ein fulminanter Schlussspurt und fährt als Erste um drei Uhr elf ins Ziel. Dahinter liefern sich Nessi, Taifun und Blink einen kleinen Krimi. Nessi wird Zweite, Taifun dritte und Blink, lange zuvorderst im Race, wird Vierte.
 
Zwanzig Minuten nach Mitternacht kreuzt bei den Cruisern Qbola als Erste die Boje bei Stansstaad und fährt den Sieg anschliessend sicher nach Hause. Blue Marin, Lady Asmani und Carpe Diem sind die nächsten im Ziel. Um Null Vier Vierzig fährt das letzte Cruiserboot, die Andromeda, über die Ziellinie. Entgegen allen anfänglichen Berechnungen nicht am Montag😉.
Allen Teilnehmern blieb somit ein schöner Sonntag zur Erholung von einer spannenden und kurzweiligen Regattanacht.
Fazit: Rechnen sinnlos.
 
Eric van Duijn
 
 
 
 
 
 
Anmerkung der Redaktion: Der Verfasser von diesem Regattabericht ist der Autor von "Ohne Landung", ein spannender Aviatik Thriller.
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