, Thomas Hasler
Rekordfahrt "Gelbes Band"
Gelbes Band, 6. Juli 2025
Thomas Hasler, Skipper Kiwi
Ein herrlicher Morgen. Blauer Himmel, kein Wind und das Zwitschern der Vögel in den Ohren. Wir liegen vor Anker in der Sündenbucht und geniessen unser frühes Frühstück an Deck der Debora. Wir haben die junge Familie Gander zur Ausfahrt mit Vollpension eingeladen.
Wir sind schon etwas spät dran, denn um 10.30 Uhr haben wir mit Andreas abgemacht, die Kiwi im Rotzloch einzuwassern. Der Anker wird gelichtet und wir tuckern Richtung Stansstad. Eile haben wir keine mehr. Der See liegt so flach vor uns, dass wir wohl nicht einwassern werden. Die Brötchen sind inzwischen fertig belegt und wasserdicht verpackt. Wann wollen wir die jetzt essen? Im Rotzloch angekommen ist Andreas auch schon da und bereits in Segelmontur. Von Wind noch keine Spur.
Trotzdem entschliessen wir uns, die Kiwi einzuwassern und vorzubereiten. Sandra ist froh, dass wir zu viert sind, denn bis wir auf der Nordseite der Achereggbrücke sind gibt es viele zum Teil kräfteraubende Handgriffe zu erledigen.
Auch vor Stansstad ist noch sehr wenig Wind. Zum Mast stellen und Segel setzen kommt uns das zumindest entgegen. Wir sind mit dem Torqeedo unterwegs und müssen sparsam fahren, damit wir für die Heimfahrt noch genügend Akkukapazität haben. Es zeigt sich inzwischen ein Lüftchen im Küssnachter- und Luzerner-Becken. Kurz vor Kastanienbaum verstauen wir den Elektromotor und kreuzen Richtung Trichter und weiter Richtung Luzern.
Inzwischen ist auch der Gennacker angeschlagen und der Wind hat auf 3 Bft. Aufgefrischt. Wir kreuzen bis kurz vor die Seebrücke, damit wir nach dem Gennacker setzen genügend Zeit haben um zu prüfen ob alle Schoten richtig eingefädelt sind. Eine Schot ist ja immer irgendwo verirrt, das soll auch heute nicht anders sein.
Wir sind ein eingespieltes Team. Sandra am Klavier, sie weiss genau wann welche Schot gezogen und welche Klemme gelöst werden muss. Martin Gander am Gennaker. Er gehört zu unserer Stammcrew bei den Longtze-Klassenregatten. Aber so lange gennakern ohne Bergen ist auch er sich nicht gewohnt. Man bedenke, wir haben keine Winch an Bord und der Gennaker wird permanent von Hand geführt. Andreas Inäbnit am Gross. Als Skipper der Lü Long weiss er genau vorauf es ankommt und bedient das Gross sehr fein. Ich an der Pinne. Ich habe schon viele Meilen auf der Kiwi gesegelt und spüre inzwischen an der Pinne wenn der Gennaker zu dicht geführt wird.
Wir entscheiden uns direkt zu starten und die Schot später zu klarieren. Das Zeitfenster ist wohl sehr kurz. Höhe Richard Wagner Museum entscheiden wir uns für eine Halse, denn auf der Westseite scheint der Wind etwas besser. Kaum aus dem Luzerner Seebecken schwächelt der Wind. Nach einer Rekordfahrt sieht das nun gar nicht mehr aus. Zumindest der Kurs ist diretissima. Gemütlich gennakern wir Mitte See Richtung Nase. Wir haben Zeit uns zu verpflegen. Wir sehen noch nicht, ob es im Gersauer Wind hat. Wenn der Wind halt nicht will können wir ja auch umdrehen.
Inzwischen sehen wir durch die Nase. Der Wind hat wieder leicht angezogen Es hat auch etwas Wind im Gersauer. Unter Gennaker kreuzen wir durch die Nase. Bei den Versuchen mit der Lü Long und mit der Chilli waren wir deutlich schneller.
Wir sind höhe Rotschuo. Da hatten wir mit der Lü Long den Sonnenschuss mit anschliessendem Baden. Auch jetzt kommt wieder viel Wind auf und wir konnten 3x knapp einem Sonnenschuss entgehen. Der Wind hat mächtig zugelegt. Es ist schon hart an der Grenze zu segelbar. Aber der Speed ist phänomenal. «Brunnen wir kommen» Über xxx Meilen können wir einen Speed von 15 bis 16 Knoten halten. Der Wind lässt zum Glück wieder etwas nach und wir können kontrollierter Richtung Schwybogen gennakern.
Höche Schwybogen ist dann der Spass vorbei. Der Wind schläft ein, wie beim Versuch mit der Chilli. Woher kommt jetzt der Wind? Natürlich von Brunnen. Gennaker bergen und die Zeit rinnt dahin. Jetzt kommt doch wieder etwas Wind. Zuerst halbwind und dann doch wieder mit Gennaker kreuzen wir die Ziellinie knapp unter dem Reckord von Urs Infanger in 1:48:37. Wir haben es geschafft.
Jetzt müssen wir ja nur noch heimkreuzen. Rund 3 Stunden später können wir vor Stansstad die Segel bergen. Nur noch kurz den Mast legen unter der Brücke durch, Kiel aufholen, Boot auswassern, waschen und auf den Trailer packen. Heute gehen wir müde und stolz ins Bett.
Vielen Dank Valery und Priska, dass ihr auf eure Männer verzichtet habt und vielen Dank Sandra, Martin und Andreas für den Durchhaltewillen. Es war ein tolles gelbes Band.
Mit nautischen Grüssen
Thomas Hasler
SUI 818, Kiwi